I got the world in motion

Australien

 

Sonntag, 26.12.2004

Am frühen Nachmittag heben ich mit der Fluggesellschaft "Cathay Pacific" von Frankfurt aus ab und verbringen die nächsten 10 Stunden mit schlafen, fernsehen, essen oder einfach der Vorfreude auf die nächsten zwei Wochen, bevor wir frühmorgens bzw. für unser Empfinden nachts in Hongkong für zehn Stunden zwischenlanden und auf einer Stadtführung einen groben Überblick über die chinesische Großstadt erhalten.

Montag, 27.12.2004

In Hongkong leben Menschenmassen auf kleinstem Raum. Dort hatte man Frühlingshafte Temperaturen gleichzeitig geschmückte Tannenbäume. Allmählich macht sich dann der Schlafmangel bei mir bemerkbar und ist auch durch Kaffeekonsum oder ähnliche Versuche nicht mehr auf haltbar und so bin ich froh, den zweiten Teil des Fluges von Hongkong nach Melbourne- wenn auch mit einigen Stunden Verspätung- antreten zu können.

Dienstag, 28.12.2004

Wir fliegen dem Morgen Australiens entgegen, oder ist es nun Nacht? Durch 10 Stunden Zeitverschiebung sind wir etwas durcheinander, was dies betrifft, aber die vielen neuen Eindrücke in einem vollkommen fremden Land, 22 Flugstunden von der Heimat entfernt, halten mich wach. Nach einer herzlichen Begrüßung durch einige der australischen Schüler und Linton Fergusson, den "Programmplaner unseres Aufenthaltes", fahren ich ca. zwei Stunden in das nördlich von Melbourne gelegene Städtchen Shepparton. Durch eine kleine Empfangszeremonie mit knuffigen Stoff-Koala-Bären und einer ungezwungenen, herzlichen Begrüßung durch die australischen Gastgeber fühlte ich mich gleich wohl und willkommen.

Mittwoch, 29.12.2004

Die Probe heute ist lang und anstrengend, doch als ich erfuhr, dass "the audience on new years eve shall be nearly 20000 people", steigt die Motivation des Weiterprobens. Mittags trifft man sich ungezwungen am See zum Picknicken und es ist erstaunlich, was australische Gastgeber ohne viel Aufsehen auf die Beine stellen.

Donnerstag, 30.12.2004

Ein herrlicher Sonnentag! Man fährt an geschmückten Tannenbäumen vorbei und muss die Sonnenbrille aufsetzen, um nicht geblendet zu werden. " Heutiges Ziel ist der Kyabram-Fauna-Park, wo ich Vertreter sämtlicher einheimischen Tiere des Landes sehen kann. Von sich um nur Millimeter am Tage bewegenden Koalas bis zu lustig hüpfenden Kängurus; von Taschen ausräumenden Kakadus bis zu diversen Schlangenarten ist alles vorhanden. Das anschließende Barbecue ist große klasse: völlig unkompliziert sitzt man auf mitgebrachten Picknickdecken bei allerlei australischen Köstlichkeiten zusammen, grillt, spielt Kricket (bzw. lernt die verheerend komplizierten Regeln) und genießt die Zeit. Das Kräfte sammeln ist auch nötig, denn die nächsten vier Stunden Probe sind hart: ein geeignetes "Openair-Programm" der Stücke ist zusammenzustellen und im Vorfeld der Reise lediglich per Post an die Teilnehmer versendete Stücke sind gemeinsam zu proben.

Freitag, 31.12.2004

Ich verbringe viel Zeit in der Gastfamilie, was eine sehr gute Erfahrung ist, denn nur so kann man wahres australisches Leben kennen lernen und weiß plötzlich auch, warum man Fremdsprachen lernt. Da steht man nun auf der australischen Post und versteht einfach nicht, wie die verflixten Telefonkarten funktionieren. Die Menschen hier wirken sehr offen, freundlich und hilfsbereit und man fühlt sich nicht als Fremder. Nach kurzer Anspielprobe und "Sound-Check" auf der Bühne in Mooroopna, wo das heutige Sylvesterkonzert stattfinden wird, liefern wir gegen 20.00 Uhr ein gutes und gelungenes Programm ab. Anschließend geht es bei der Silvesterparty in Russells "Scheerscheune" rustikal und herzlich zu. Die Bigband der High-School sorgt für die musikalische Untermalung des Abends, und die Gastgeber sind mit allen nötigen "Barbecue-Utensilien" bewaffnet, die man sich nur denken kann.

Samstag, 01.01.2005

Guten Morgen Australien und Prost Neujahr Deutschland! Das Wetter ist heute eher durchwachsen und es bleibt Zeit, den Tag in den Gastfamilien zu verbringen, bis wir uns zum abendlichen Auftritt im Retired Soldiers League Club Shepparton treffen. Der "Erholungstag" wird mit einem abendlichen Restaurantbesuch abgeschlossen, und gut gestärkt spielen wir unser zweites Konzert, das begeistert aufgenommen wird und durch das spontane gemeinsame Musizieren beider Gruppen mit der inoffiziellen australischen Nationalhymne "Waltzing Mathilda" seinen krönenden Abschluss findet.

Sonntag, 02.01.2005

Wir beginnen den Tag mit einem Platzkonzert im Hafen von Echuca, einer Raddampferstadt am Murray River, dem Grenzfluss zwischen Victoria und New South Wales, mit guter Stimmung in allen Bereichen. Echuca, einst größter Inlandshafen Australiens, birgt mit alten Raddampfern, Pferdekutschen und dem Flair vergangener Tage eine unnachahmliche Atmosphäre, die ich bei einer netten Raddampferfahrt auf einem der alten "Paddle-Steamer" einatmen bzw. bei der anschließenden Stadterkundung durch altes Handwerk genießen.

Montag, 03.01.2005

Nach einer knappen Woche Australien habe ich mich bestens an die Zeitumstellung gewöhnt und verkraften es ganz gut, heute in aller früh aufzustehen, nachdem gestern Abend einige unserer Gruppe den australischen Sternenhimmel bei einem Art "Daniel-Düsentrieb-Erfinder in allen Bereichen" bestaunen durften; genauer gesagt lernten wir exakt denjenigen kennen, der privat die größten Himmelsteleskope Australien baut und der uns mittels seiner selbst gebauten Technik einen faszinierenden Blick zu den Sternen der südlichen Hemisphäre ermöglichte. Erster Programmpunkt heute soll der Victoria-Market sein, eine attraktive und sehenswerte Einkaufsmöglichkeit in der größten Stadt an Australiens Südküste. Ein Problem gibt es dabei allerdings: Die Australier verlegen gerne ihre Feiertage - falls diese auf einen Sonntag fallen - auf die anschließenden Werktage (eine tolle Regelung, die man auch in Deutschland einführen sollte!), und so sind wir und unser instinktiver Kaufdrang zwar da, nicht aber die Stände und Kaufmöglichkeiten. Stattdessen erlebe ich eine witzige Stadtrundfahrt mit der Straßenbahn und lernen eine gemütliche, saubere Zweimillionenstadt im Victorianischen Stil kennen, die viel Atmosphäre und Charme verbreitet. Der Melbourner Zoo ist durch den "Schein-Feiertag" jedenfalls gut gefüllt und unser drittes Konzert im Zoo-Pavillon kommt gut an. Eine anschließende kurze Stadtrundfahrt mit dem Bus bringt mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt näher. Über die eindrucksvolle "Great Ocean Road" erreichen wir schließlich das Küstenstädtchen Lorne und damit leider auch das schlechte Wetter. Unsere Gastgeber haben eine Turnhalle für uns angemietet, und die mitgebrachten Schlafsäcke und Luftmatratzen werden rechts und links in der Turnhalle unter Einhaltung der neutralen Zone (die Trennung von Männlein und Weiblein als Lagerungsstätten aufgebaut.

Dienstag, 04.01.2005

Eine so kalte, gewittrige, regnerische Nacht wie die heutige haben ich hier in Australien nicht erwartet, doch nach einem Frühstück in rustikalem Stil sind alle fit für die Tour auf der Great Ocean Road, eine eindrucksvolle Strecke, die wunderschöne Aussichten bietet und mich zum Touristenstädtchen Port Campbell führt, wo Zeit zum Essen, Muschelsuchen und Relaxen bleibt. Ein kurzer "Bush walk" durch die Oaklands zeigt uns, wie unterschiedlich die Landschaften Australiens sind. Am frühen Nachmittag soll das eigentliche "Highlight" dieses Tages - die Besichtigung der 12 Apostel, einer im Pazifik gelegenen zwölfteiligen Felsformation - folgen. Dieses Naturdenkmal lädt in seiner Schönheit zum Verweilen und Photographieren ein.

Mittwoch, 05.01.2005

Ein geplanter Strandtag in Lorne und zugleich Dauerregen als Realität, so sind die Fakten an diesem Tag und so wird das Programm kurzfristig geändert, nachdem wir die Turnhalle wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt haben. Ich besichtige den "Erskine-Wasserfall" und anschließend stürzen sich einige Mutige in die Fluten von Lornes Wellen, was bei heutigen Temperaturen aber eher mit Neopren-Anzug zu empfehlen ist.

Donnerstag, 06.01.2005

Vor der morgigen langen Busfahrt habe ich heute Zeit in der Gastfamilie, neue australische Dinge zu erleben und zu genießen. Um 18.00 Uhr beginnt die offizielle Verabschiedungsfeier mit allen Gasteltern und Schülern. Für uns sehr interessant und fremd ist es, als ein Aborigines mit seinen beiden Söhnen Didgeridoo spielt und rituelle Tänze aufführt. Anschließend zeigen wir unseren Gastgebern einige Bilder von Deutschland, damit sich die Schüler, die im Sommer zu uns kamen, ein Bild von ihrer Reise machen konnten.

Freitag, 07.01.2005

Der Abschied von den australischen Gastgebern fällt mir recht schwer, bevor der Bus Richtung Sydney abfährt. Ich überqueren den Grenzfluss Murray und verlassen somit Victoria und befinden mich nun im Bundesstaat New South Wales. Gegen Abend erreichte ich Sydney und vom Sydney-Tower begrüßt mich die Stadt in ihrer vollen Pracht. Ich kann mich kaum satt sehen an den vielen Hafeneinbuchtungen und dem wunderschönen Lichtermeer.

Samstag, 08.01.2005

Beim Frühstück entscheidet man sich für eine der drei Frühstücksarten je nach Geldbeutel und Geschmack und ist dann gut gerüstet für den Tag. Letzterer beginnt damit, Photos vor der weltberühmten Oper Sydneys zu machen; seit Jahren hat es zu dieser Jahreszeit nicht geregnet, aber…wie kann es anders sein: heute ist dies der Fall, und da ich die 12-Apostel-Lektion gut gelernt haben, bringe ich mich und unsere Auftritts Klamotten frühzeitig in Sicherheit. Am Circular Quai, einem Teilstück des Hafens, haben wir unseren letzten Auftritt hier in Australien, und wie es sich gehört, kommt auch während des Spielens die Sonne zum Vorschein. Besonders schön und erfreulich ist es für mich, dass sich viele ehemalige Deutsche auf den Weg gemacht haben , um uns zu sehen und zu hören.

Sonntag, 09.01.2005

Nach Duschen, Frühstück und Bus beladen kam ich noch mal in Kaufrausch auf "Paddys Market", einer Halle voller Händler und Stände, ausleben und letzte australische Dollars unter das Volk bringen, was aufgrund der niedrigen Preise richtig Spaß macht. Ob die Zeit während des Fluges nun schnell oder langsam herumgeht, kann man schlecht beurteilen, denn ich flog zwar 22 Stunden, brauchen dafür aber nur 11 Stunden, stelle ich in Frankfurt mit Blick auf die Uhr fest.